Unser Wasser
Infrastruktur ist die Basis unseres Wirtschaftens und soll daher Eigentum seiner
Benützer sein. Die Rechtsform, in der dies realisiert werden soll, wird
jetzt nicht diskutiert. Es wird nur festgestellt, dass die Rechtsform
so beschaffen sein muss, dass ein Konkurs oder Verkauf von Firmen für den
Bürger nicht zum Verlust von Infrastruktur. Eine spezielle Bundesgesellschaft,
wie z. B. die Asfinag, ist eine Möglichkeit, noch besser erscheinen mir aber
Genossenschaften der Benützer, aber auch die Übernahme durch Gemeinden, Ländern
und Bund, wie es vor der großen Privatisierungswelle gehandhabt wurde.
Wie schaut es in Österreich aus? Straßen sind nach wie vor öffentliches Gut.
Kein Politiker möchte die Anerkennung missen, die heute immer noch dem "Straßenbauer"
zu Teil wird. Private-Partnership-Projekte waren nicht oder nur wenig erfolgreich. Die Asfinag würde man wahrscheinlich nur dann verkaufen können, wenn der
Verkäufer die Schulden behält.
Anders ist die Situation bei Gleisanlagen, Telekommunikationseinrichtungen und
Stromnetzen. Die Gleisanlagen sind Eigentum einer Infrastrukturgesellschaft
der ÖBB, der Telekom Austria gehören sogar die Leitungen im Haus bzw. in der
Wohnung und die Stromnetze den ursprünglich kommunalen Stromversorger. Die
öffentliche Hand ist an diesen Einrichtungen zum Teil oder sogar (noch) zur
Gänze beteiligt. Dies ist ein Grund, warum die öffentliche Hand der
Errichtung von Konkurrenzstrukuren eher ablehnend gegenübersteht. Deutlich ist
dies im Bereich der Telekommunkation (Glasfaser bis in die Wohnung) zu
sehen.
Wie bzw. durch wen erfolgt aber die Nutzung von Wasser, z. B. für Stromerzeugung, und
die Verteilung von Trinkwasser? In der Gemeinde Tragwein z. B., ist die Situtation
günstig. Die Konsumenten sind Mitglied einer Genossenschaft, die das
Verteilernetzwerk errichtet und wartet (wem gehört das Wasser? Gibt es einen Vertrag mit der Gemeinde?). Trotzdem
sollten sich die Genossen nicht allzu sicher vor der Politik fühlen, die auf
allen Ebenen, Gemeinde, Staat, EU, auch auf diese wichtigste Grundlage
unseres Lebens einwirken will.
In anderen Teilen OÖ. gibt es aber schon seit langem Privatisierungen. So sind
z. B. die Linz AG und die Energie AG auf diesem Gebiet tätig. Dass die
Linz AG zur Gänze der Stadt Linz und eine deutliche Mehrheit der Energie AG
dem Land OÖ. gehört, soll uns nicht in Sicherheit wiegen. Das Land OÖ. hat
ja schon versucht, Anteile an der Energie AG zu verkaufen und ich bezweifle
sehr, dass die vom damaligen LH-Stellvertreter Haider initiierte Aktion gegen
den Wasserverkauf diesen tatsächlich verhindert hätte. Der Verkauf fand wegen
der schwächelnden Wirtschaft nicht statt. Die Versuchung für die Stadt Linz,
wirtschaftlich bzw. finanziell interessante Töchter der Linz AG, die praktischerweise
schon existieren, zu verkaufen, wird spätestens bei der Abdeckung der
Swapverluste akut werden.
Unserem Wasser droht aber jetzt eine weitere Gefahr. Die EU-Generaldirektion
für den Wettbewerb plant eine Richtlinie für Dienstleistungskonzessionen
(2001/0437), in der festgelegt werden soll, dass Wasserkonzessionen in
Zukunft EU-weit auszuschreiben sind. Es ist anzunehmen, dass die an Geldmangel
leidenden Kommunen, bzw. die lokalen Betreiber mit den großen Konzernen
nicht konkurrieren können.
In der nächsten Zeit laufen aber viele Betreiberverträge aus, durch
die Ausschreibungen wird das Wasser gewissermaßen privatisiert.
Das Vorhaben ist grotesk, ja gefährlich. Mehrere Großgemeinden, wie z. B. Paris und Berlin,
haben schon vor vielen Jahren die Wasserversorgung an Großkonzerne übertragen.
Die Konzerne suchen den kurzfristigen Erfolg. Die Preise steigen daher enorm an.
Das Wasserleitungsnetz wird schlecht gewartet, um die Gewinne zu erhöhen.
Als Folgen davon versickert
Wasser und Bakterien dringen ein. Um Verseuchungen vorzubeugen, wird
das Wasser stark chloriert, die Wasserqualität wird schlechter. Das Chlor
Blasen-, Nierenkrebs und andere Krankheiten verursachen kann, kümmert die Konzerne nicht
(http://www.zentrum-der-gesundheit.de/leitungswasser.html, 22. 4. 2013).
Aus diesen Gründen ist die Rekommunaliserung der Wasserversorgung wieder
im Gange, auch die Großstadt Paris betreibt die Wasserversorgung wieder
selbst. Ein Ausstieg bedeutet aber nicht unbedingt, dass auch die Kosten
wieder sinken. Auf Grund der komplizierten Verträge sind die Kommunen
häufig gezwungen, teure Kredite zu übernehmen oder hohe Abschlagszahlungen
zu leisten.
In den oö. Zeitungen und ihren Gratisablegern wurde über die oben earwähnte Richtlinie
geschrieben, allerdings sehr beschwichtigend, denn es kann ja praktisch nichts
passieren, weil ja niemand gezwungen wird, seine gegenwärtige Versorgungssituation
zu änderen. Möglicherweise wird aber dadurch in Zukunft die Rekommunalisierung, wie sie derzeit stattfindet, unterbunden. In den Zeitungsartikeln wurde auch
nicht erwähnt, dass es bereits eine europaweite Petition gibt, um zu verhindern,
dass aufgrund der Richtlinie Wasser endgültig zur Handelsware wird. Besuchen Sie
die Webseite (http://www.right2water.eu/de) dieser Petition. Wenn Sie gegen die
Privatisierung des Wassers sind, dann unterzeichnen Sie die Petition und verbreiten diese
Information auch in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis.
Quelle:
Hände weg von unserem Wasser!, Natur 05/13, S 15ff
(C) Wilfried Maschtera
4284 Tragwein, Fraundorf 2
erstellt am: 22.04.2013
Geändert am: