Spenden und Steuer
Vorgestern war die Feuerwehr bei uns, wegen des jährlichen Balls. Früher gab es
Karten zu einem fixen Preis, ab heuer wird aber wegen der steuerliche Absetzbarkeit
um Spenden gebeten. Dafür darf man dann, ohne Eintritt zu zahlen, auf den Ball.
Wir erhielten aber keine Quittung, wahrscheinlich haben wir zu wenig gegeben.
Hatte schon der Verkauf den Anstrich von Bettelei, so wird dieser Eindruck durch
die neue Vorgehensweise verstärkt. Wer umherzieht, gleichgültig ob in Lumpen
gehüllt, oder mit einer Krone auf den Kopf, oder in Uniform gewandet, und um
Spenden bittet, bettelt. Wahrscheinlich geht es aber nicht anders, wer würde schon
eine Spende zum Empfänger bringen.
Eigentlich geht es mir aber um die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden. Ich bin
ein Gegner dieser Regelung:
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Spenden an politische Parteien können schon seit Langem von der Steuer abgesetzt
werden. (Dabei handelt es sich um eine zweite, aber indirekte
Parteienfinanzierung durch den Steuerzahler.) Eine neue Regelung war also nicht
notwendig.
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Spenden von Firmen können ebenfalls schon lange von der Steuer abgesetzt werden,
wenn sie als Werbemaßnahme eingestuft werden kann, z. B. wenn die Spenderfirma
in einem Medium im Rahmen der Spende vorgestellt wird. Es gilt ebenfalls, dass eine neues Gesetz nicht notwendig war.
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Das gleiche gilt für die Kirchensteuer
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Ich spende indirekt für Organisationen, für die ich sonst nie nur einen Cent
übrig hätte. Das ist durchaus ein Motiv, Spenden zu reduzieren.
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Gemessen an ihrem Einkommen, spenden "arme" Leute am meisten. Diese Menschen
zahlen, wenn überhaupt, nur wenig Steuern oder erhalten gar die Negativsteuer.
Dazu kommt noch, dass die Beträge zwar für den Spender hoch sind, aber
trotzdem so gering sind, dass sich eine Eingabe beim Finanzamt gar nicht
auszahlt.
Der Steuerausfall durch die Absetzbarkeit muss aber ausgeglichen werden. Erfolgt
dies über Verkehrssteuern, dann trifft dies erst recht wieder die "Armen" am meisten.
Vielleicht sind sie sogar gezwungen, ihre Spenden zu reduzieren, damit sie ihren täglichen
Bedarf an Gütern decken können. Somit könnte man diese Aktion sogar als
Einkommensumschichtung von Arm zu Reich ansehen, weil die Reichen bei gleichbleibender
Spendenhöhe jetzt Geld bekommen.
(C) Wilfried Maschtera
4284 Tragwein, Fraundorf 2
Erstellt am: 05.01.2012
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