Smart Meter erhöhen Zählergebühr nicht




Smartmetering soll den Energieverbrauch reduzieren. Die mir bekannten Berichte über Feldversuche sprechen von maximal 3 % Einsparungen. Warum sollen auch die Geräte, die vielleicht gerade vor Kurzem wegen Stromsparens angeschafft wurden, wegen des neuen Zählers weniger Strom verbrauchen? Ökologisch ist das also kein Erfolg. Wie lange wird es unter diesen Umständen dauern, bis die Energie, die für Produktion, Transport und Installation der Messgeräte benötigt - und sich unmittelbar auf das Klima auswirkt - kompensiert wird. Diese Information wird dem Konsument bei allen Geräten, die er zwecks Energiesparen anschaffen soll, verheimlicht.

Auch ökonomisch tritt ein Erfolg nur dann ein, wenn der Strompreis mit sinkender Netzwerkbelastung ebenfalls sinkt und die Benützer bereit sind, ihren Tages- und Nachtablauf zu ändern bzw. die Geräte nachzurüsten oder schon wieder durch neue zu ersetzen, sodass die Inbetriebnahme durch den Energieverteiler (EVU) gesteuert werden kann. Wer steht schon gerne um drei Uhr früh auf, um die Waschmaschine zu starten? Was geschieht, wenn dies dann doch z. B. 50 % der Kunden tun? Wie lange wird es noch billigen Nachtstrom geben, sobald Anschobers Pumpspeicherwerke in Betrieb sind? Wird die Steuerung dem EVU überlassen, dann müssen die Geräte in den Standby-Modus, der doch gerade zu Recht verteufelt wird, geschaltet werden. Und das Licht ausschalten, wenn der Raum verlassen wird, ist jetzt schon möglich.

Kritisiert wird auch in den Berichten, dass viele Messgeräte den Zählerstand nicht mehr anzeigen. Dies bedeutet, dass der Konsument, der auf diese Information nicht verzichten will, auf jeden Fall einen Internetanschluss braucht. Wenn man bedenkt, dass die meisten EVUs im Internetgeschäft tätig sind, ist das nicht weiter verwunderlich.

Bei Auslesen des Zählerstands in kurzen Intervallen gewinnen die EVUs ein detailliertes Profil über jeden Haushalt, das für Behörden und Unternehmen interessant ist. Versicherungen, dass die Daten nicht oder nur anonymisiert weitergegeben werden, kann man nicht vertrauen.

Man gewinnt den Eindruck, dass es gar nicht um das Energiesparen geht, sondern um die Vorbereitung eines Markts für neue Produkte, um das Sammeln von Daten zu Verkaufs- und Marketingzwecken und um die Möglichkeit, die Menschen noch mehr als bisher überwachen zu können.

Recht viel mehr als die alten Geräte bieten ja die neuen Geräte nicht, auch wenn es anders dargestellt wird. Und das, was sie bieten, kann erreicht werden, ohne dass der Zählerstand ausgelesen und extern gespeichert werden muss. Die Geräte sind ja angeblich intelligent. Es müsste also möglich sein, die Daten im Gerät zu speichern und anzuzeigen und die Daten auch über eine USB- oder Ethernetschnittstelle auf einen PC zu übertragen.

Bemerkenswert sind auch die Äusserungen von Herrn Steinecker, Energie AG, im anschließenden Artikel . Er behauptet, die "Kundendaten seien nicht auf Servern, die vom Internet aus zugänglich sind". Dabei wird es wohl nicht bleiben, sonst können die Kunden ihre Verbrauchsdaten nicht einsehen. Er versteht auch nicht, "was ein Hacker mit den Stromverbvrauchswerten eines Haushalts anfangen sollte.". Es ist ja gerade diese Fantasielosigkeit und Ignoranz der datensammelnden Firmen, die zu diesem sorglosen Umgang mit unseren Daten führt, was von den Hackern aufgezeigt und von den Kriminellen missbraucht wird. Die Kriminellen, die sich für die Haushaltssprofile interessieren, werden sich auf die Datenbank konzentrieren. Sie interessieren sich sicher nicht für die Daten im neuen Messgerät, was diese Leute interessiert, ist zu prüfen, ob durch Smartmetering eine Hintertür in Privat- und Firmennetzwerke geschaffen wurde und diese zu nutzen.

(C) Wilfried Maschtera
4284 Tragwein, Fraundorf 2

erstellt am: 13. 8.2011
Geändert am:

Zu den Artikeln "Smart Meter erhöhen Zählergebühr nicht" und "Smart Meter und die Angst vor gläsernen Kunden", OÖN, 12. 8. 2011