EARN/BITNET - ein globaler Vorgänger des globalen Internets
Dass die akademische Welt Österreichs 1990, also vor 25 Jahren über EASInet, einem Netzwerk von IBM-Supercomputer, einen Zugang zum (amerikanischem) Internet, das damals ein Wissenschaftsnetzwerk war, erhielt, ist sicherlich ein Grund zum Feiern. Es ist aber auch ein Grund, sich daran zu erinnern, dass es bereits internationale Netzwerke gab, bevor das Internet sich über die Welt ausdehnte.
Eines dieser Netzwerke war BITNET (Because Its Time Network), das 1981
seinen Betrieb aufnahm. Das europäische Pedant, EARN (European Academic and Research Network) wurde im Februar 1984 gegründet. Das Netzwerk existierte weltweit, die Forschungseinrichtungen auf anderen Kontinenten schlossen sich einfach
an BITNET an, man sprach daher von EARN/BITNET.
EARN/BITNET verwendete IBM-Technik und beruhte auf dem einfachen Prinzip,
dass jedes Mitglied zumindest einem weiteren Mitglied die Installation einer
Mietleitung ermöglichte. Jedes Miglied verpflichtete sich auch, Durchgangsverkehr ohne Gebühren und Restriktionen weiterzuleiten.
Vor 25 Jahren, am 19. Juli 1985 wurde an der JKU eine 9,6-Kbps-Leitung vom
österreichischen Knoten AEARN zum deutschen EARN-Knoten DEARN in Betrieb
genommen. Über diesen Knoten stellten andere österreichische Forschungseinrichtungen, wie z. B. die Universität Wien und die Wirtschaftsuniversität Wien, die Verbindung zu EARN/BITNET her.
Die o. a. Leitung wurde 1988 wegen einer neuen Tarifpolitik der Deutschen Post
durch eine Leitung zur CERN ersetzt. Im Herbst 1988 wurde der Ausbau auf 64 Kbps vom Wissenschaftsministerium gehmigt, die Leitung konnte allerdings erst im darauffolgenden Sommer in Betrieb genommen werden. Ab 1989 wurde das IBM-Protokoll über TCP/IP transportiert,um die sehr teuren Leitungen (Preis einfügen?) auch für die Internetverbindung nutzen zu können.
Der Knoten an der JKU wurde zu einer Core-Site, zu einem wichtigen internationalen Knoten, ausgebaut. Angeschlossen waren Jugoslawien (Feb. 1989), die
Tschechoslowakei (Oktober 1990), Ungarn (Oktober 1990), Bulgarien (über
X.25). Die Anbindung von Rumänien und Iran war 1992 im Gange. Seit Oktober 1991
verwendeten CSFR und Ungarn auf ihre Leitungen auch das Internetprotokoll.
Im Sept. 1992 wurde der Knoten AEARN auf Anweisung des BWWFs nach Wien transferiert. Es gab aber noch bis Okt. 1993 eine Leitung nach Amsterdam, über welche die Internetverbindung einiger österreichischen Universitäten (Uni Salzburg, Mozarteum, Uni Innsbruck) transportiert wurden. Es gab also in Österreich kurze
Zeit zwei zentrale Internetknoten.
Im EARN/BITNET gab es viele Dienste, die heute als typische Internetdienste
angesehen werden, z. B. Filetransfer, Electronic Mail, Interactive Messages,
Mailing Lists, Automatic File Distribution, Directory Service, Netzverwaltung,
Conference Systems etc.
Ab 1990 ging EARN/BITNET allmählich im Internet auf. Der potentielle
Teilnehmerkreis war trotz Nachbildungen der IBM-Netzwerktechnik
für Unix-Systeme und Computer von Digital Equipment eingeschränkt.
Für einen Massenbetrieb, PCs gab es ja bereits, war das Konzept
EARN/BITNET nicht geeignet.
(C) Wilfried Maschtera
4284 Tragwein, Fraundorf 2
Erstellt am: 18.08.2010
Geändert am:
11.6.2015