Breitband in OÖ. - ein Rückblick
Breitband:
Der Begriff Breitband ist ein Qualitätsmerkmal für Netzwerke. Für die Bewertung von
Netzwerken an Hand dieses Merkmals muss man sich aber im Klaren sein, dass
der Inhalt des Begriffs Breitband nicht fix ist, sondern einerseits vom Stand der
Technik und andererseits von den Errichtungs- und laufenden Nutzungskosten
abhängt.
Galten vor rund 25 Jahren 2 Mbps (Megabit pro Sekunde) als Breitband, wird heute in einem
Glasfasernetzwerk der Anschlußpunkt eines Kunden mit einem 1-Gbps-Anschluss (Gigabit p. S.)
ausgeführt werden, weil er, wenn überhaupt, kaum teurer ist als ein
100-Mbps-Anschluss. Kaum jemand wird aber heute einen 1-Gbps-Anschluss benötigen bzw.
finanzieren (können), aber 100 Mbps, symmetrisch, wird die Untergrenze sein,
um die vorgesehen Applikationen qualitätsvoll, und zwar auch parallel, nutzen zu können.
Breitbandinitiativen ab 1993:
Initiativen zur Errichtung von Breitbandnetzwerken gab es schon vor mehr als 20 Jahren.
Bereits 1993 erstellte das EDV-Zentrum der Universität Linz ein Konzept für einen "Technologie
Backbone OÖ". Die technischen Grundlagen wurden von Mitarbeitern der Netzwerkabteilung, die vom
Author geleitet wurde, erstellt. Im Endausbau sollte ein Glasfaser-Backbone
mit der
damals relativ neuen Technik ATM (Asynchronous Transfer Mode) entstehen. Die Realisierung
scheiterte an der Finanzierung und am Lobbying der Post. Das Projekt hatte trotzdem Auswirkungen:
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Die OÖ. Datenhighway Entwicklungsgesellschaft (ODE) wurde gegründet. Sie konnte
ihrem Auftrag, wie er im Namen angeführt ist, letzten Endes nicht gerecht werden, weil die
Gesellschafter (Post, TMG, OKA, SBL, OÖ. Kabel-TV Vermarktungs GmbH, WKOÖ,
OÖ. Nachrichten) unterschiedliche Auffassungen über ihre Rolle hatten und
einige eher verhindernd als fördernd wirkten. Gesellschafter
zogen sich zurück, das Unternehmen wurde von der UTA übernommen und liquidiert.
(UTA wurde von Tele2 übernommen.)
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Das Wissenschaftsministerium finanzierte Glasfaserleitungen zur Verbindung des Campus
der JKU mit den Standorten der Kunstuniversität und des Landeschulrats. Das AEC war mit
eingebunden. Dies wurde als Beitrag zur Errichtung des Backbones gesehen.
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Nicht zuletzt zählt seit dieser Zeit die TK-Infrastruktur zu den Aufgaben des
Wirtschaftslandesrats, was wahrscheinlich dazu führte, dass die Ausstattung von Unternehmen
mit Glasfasern im Mittelpunkt des Wirtschaftsreferats steht und der weitaus wichtigeren
Versorgung der Konsumenten nicht Rechnung getragen wurde.
Zu dieser Zeit und danach hat die Netzwerkabteilung an der JKU die Anbindung der Aussenstellen
Mechatronik VOEST, Freistädterstraße, Hagenberg und der Stundentenheime, KHG, Evang. Heim,
RFS, Raabheim, WIST, mittels Glasfaser systematisch ausgebaut. Es ist festzuhalten, dass
die Post dem durchaus positiv gegenüberstand und, wo es notwendig war, auch Glasfaser
anbot und bereitstellte. Es wurden auch andere Projekte durchgeführt, wie z. B. die
Anbindung der Telefonie der Aussenstellen an die Telefonzentrale über das Datennetzwerk.
Eine Besonderheit war allerdings Hagenberg. Dem Author war es gelungen, eine Kooperation
mit der Linz AG zur Errichtung einer Verbindung von RISC/Hagenberg zum Campus im Auhof
herzustellen. Dies war damals ein Novum, denn erst seit 1996 war es Dritten
gestattet, Datenleitungen anzubieten
und herzustellen. Neben den Angeboten von Drittanbietern musste auch ein Angebot der Post
der Fernmeldebehörde vorgelegt werden, die dann entschied, ob das Angebot der Post
wirschaftlich vertretbar ist und daher zum Zug kommt.
Die Kooperation mit der Linz AG ermöglichte 1997 den Ersatz einer
128-Kbps-Leitung durch eine Verbindung mit 155 Mbps, die auch für die Telefonie
verwendet wurde.
Ein verteilter Internetexchange für OÖ, der im Endausbau als Internet Data Center nicht nur ein
neutraler Austauschpunkt für Internet Service Provider sein sollte, sondern auch Glasfaseranschlüsse
(Stichworte: Software Designed Network, User Controlled Light Path, Customer Empowered Fibre),
Web Hosting, Speichernetzwerke (heute Cloud Service), ... anbieten sollte, kam über das Planungsstadium
nicht hinaus.
Breitbandinitiative 2003
2002 kam es zu den ersten Protesten von Wirtschaftstreibenden aus dem ländlichen Raum gegen
die schlechte Versorgung mit Internetanschlüssen. Im Mittelpunkt der Kritik stand die
im Vergleich zu Anschlüssen im urbanen Gebieten niedrige Bandbreite im ländlichen Raum.
Diese Kritik führte im Wahljahr 2003
zur Breitbandinitiative 2003, in derem Rahmen im ländlichen Raum das Angebot von
Internetanschlüssen wesentlich verbessert wurde und im Laufe des Jahres 2005 in den meisten
Gemeinden nunmehr zwei Anbieter tätig waren. Hier ist anzumerken, dass es in grossen
Teilen der Gemeinde Tragwein aufgrund einer Initiative des Authors bereits seit April 2001
ADSL gab, trotzdem war das Auftreten eines Zweitanbieters eine Verbeserungi für die Gemeinde.
Sehr rasch tauchten beim Author Zweifel über die Langzeitwirkung der Initiative auf, denn
die neuen Anbieter mussten ein eigenes Zugangsnetzwerk (Access Network) aufbauen oder die
vorhandene Infrastruktur eines Konkurrenten benutzen. Beides verursachte hohe Kosten. Die
eigene Infrastrukur basierte meist auf Wireless LAN (IEEE 802.11g/b), die vielfach nicht
mit dem Kupfernetzwerk konkurrieren konnte. Diese Situation hatte zur Folge, dass die
Zweitanbieter lediglich beim Einstiegsprodukt mit der Telekom Austria (TA) konkurrierten
und sonst wesentlich teurer waren als die TA. Zusätzlich verstärkte die TA den Ausbau von
ADSL und reagierte mit einer agressiven Preispolitik, um die neue Konkurrenz wieder zu verdrängen.
Es war daher abzusehen, dass in wenigen Jahren die Situation wie 2002 sein wird, nur auf
etwas höherer Bandbreite. Der Author kam daher zum Schluss, dass jetzt die
nächsten Schritte gesetzt werden müssen, damit der höhere Bedarf an Bandbreite, der in 5, 10
Jahren und darüber hinaus bestehen wird, rasch befriedigt werden kann
und nicht erst ein Netzwerk errichtet werden muss. Unter dieser
gewünschten und notwendigen Langzeitwirkung müssen zukunftssichere Netzwerke auf Basis von FTTH,
in einigen Bereichen ev. FTTB und FTTC als Zwischenlösung, errichtet werden.
Keine Zweifel über die Langzeitwirkung bestehen bezüglich des OÖ. Backbones, der weit über den
Backbone 1993 hinausgeht und ein herausragendes Ergebnis der Breitbandinitiative 2003 ist.
Umso deutlicher ist aber zu sehen, dass es zwischen der Datenautobahn und den Karrenwegen auf
ADSL- oder WLAN-Basis nichts gibt.
Breitbandprojekt Tragwein:
In der Gemeinde Tragwein wurde daher nach Gesprächen mit Bürgermeister und Vizebürgermeister eine Projektgruppe auf gemeinnütziger
Basis zur Planung und Errichtung eines Glasfasernetzwerks (Next Generation Access Network -
NGA) gegründet. (Der Begriff Open Access Network (OAN) war der Projektgruppe damals nicht bekannt,
das erarbeitete Konzept entspricht aber diesem Begriff.) Bürgermeister und Vizebürgermeister
waren von Anfang an Mitglieder der Projektgruppe.
Das Ergebnis war kein vager, auf ein paar Seiten formulierter Wunsch, sondern ein
Konzept mit festgelegten Kabelwegen, erhobenen Bauarbeiten und Materialbedarf,
bewertet mit Preisen aus einem konkreten Angebot. Zur Bestimmung der Kabelwege wurden auch
Begehungen im Gemeindegebiet durchgeführt. Benachbarte Häuser, die bereits in anderen Gemeinden
liegen, wurden eingebunden, ebenso Ortschaften, die nach Tragwein orientiert sind.
Die Gesamtkosten wurden mit 5,941 MEURO ohne USt. bestimmt und beruhen auf Listenpreisen. Der
Anteil der Grabungskosten beträgt rund 3 MEURO. Die Kabelwege wurden auschließlich über
öffentlichen Grund geführt, Mitbenutzung von vorhandener Infrastruktur war nicht möglich,
denn die Kanalisierung war damals praktisch abgeschlossen. Insofern kann angenommen weden, dass die
Gesamtkosten Maximalkosten sind.
Bei 100%iger Beteiligung der Haushalte und Betriebe betragen die
Kosten pro Anschluss ca. EUR 5.000,--. Im Vergleich zu den Kosten in urbanen Gebieten
ist dies sehr hoch.
Im Juli 2006 wurde auch der damalige Breitbandbeauftragte, Mag. Knierzinger,
über dieses Projekt informiert. Tatsächlich wurde das Konzept im April 2007
auch vom Büro LR Sigl angefordert. Warum dies geschah, erfuhr die Projektgruppe nicht und
es gab auch keine Reaktion aus dem Büro. Dass der Wirtschaftslandesrat das Projekt nicht
finanzieren kann, war klar. Ebenso klar war aber, dass Mittel für eine Feinplanung notwendig
sind, speziell zur Prüfung möglicher Kooperationen und Mitbenützung von vorhanden Einrichtungen,
kürzere Kabelwege über Privatgrund etc., um die Kosten zu reduzieren, aber auch, um die
Finanzierungsmöglichkeiten zu erheben. Die Feinplanung auf
gemeinnütziger Basis durchzuführen, war aus beruflichen und familiären Gründen, aber auch
wegen des zum Teil fehlenden Know Hows nicht möglich.
Es wurde daher am 11. 7. 2008 ein Gespräch mit LR Sigl geführt, mit dem Ziel, die Kosten für
die Feinplanung (ca. EUR 200.000,--) zu erhalten. Das Gespräch war nicht erfolgreich.
Sigl wollte erst dann über die Finanzierung sprechen, wenn die Refinanzierung des Projekts feststand.
Genau das war aber ein Punkt, der in der Feinplanung geklärt werden sollte. Auch das Argument,
dass die bereits erarbeiteten und noch zu erarbeitenden Ergebnisse in den meisten Gemeinden
OÖ. verwendet werden könnten und die Kosten daher rechnerisch auf die Gemeinden umgelegt werden könnten,
möglicherweise sogar tatsächlich über die zuständigen Landesräte, wurde nicht akzeptiert. Immerhin
stellte Knierzinger fest: "Die Entkopplung von Netz und Anbieter, so wie sie in Tragwein geplant ist,
entspricht den Überlegungen des Landes! Das Tragweiner Konzept geht weit darüber hinaus, was als
Pilotprojekt in Österreich derzeit bekannt ist.". Knierzinger wurde beauftragt, mit den Gemeindereferaten
zu sprechen und auch mögliche Partnerschaften auszuloten. Es gab aber keine Rückmeldung an die Projektgruppe.
WKOÖ:
Das Projekt war somit ausgebremst, aber noch nicht aufgegeben. Kurze Zeit später gab es die Finanz- und
Wirtschaftskrise. Zur Abschwächung der Folgen dieser Krise wurden Infrastrukturprojekte zeitlich vorgezogen.
Dem Author fiel auf, dass dabei auschließlich Straßen- und Wohnbauten in Angriff genommen wurde,
nicht aber die laut Politiker so wichtige Telekommunikationsinfrastruktur. Im letzten Quartal 2008 wurde
daher die WKOÖ, Sparte IC (Seyruck,Fellinger) kontaktiert, um darauf hinzuweisen, dass seit der ersten
Breitbandaktion nichts für
den weiteren Ausbau geschehen ist und neue Impulse notwendig sind. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, dass
dieses Thema wieder aktuell und im Rahmen der Wirtschaftskammer ausführlich behandelt und entsprechende
Aktivitäten gesetzt wurden. Dies führte zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Author und der Sparte IC.
Eine Providerrunde entstand, die über den Stand der Dinge, vor allem auch der technischen Seite, informiert
wurde. Eine Pressekonferenz mit LH Pühringer und der WKOÖ wurde kurz vor der Wahl abgehalten, um dem Thema wieder
zu Aktualität zu verhelfen. Auch Sigl wurde wieder aktiv, auch in der Pressekonferenz, und besetzte rasch
die seit Monaten vakante Position des Breitbandbeauftragten.
Dann wurde es allerdings wieder ruhig. Die Provider wichen Fragen über ihre Infrastruktur aus (Glasfaserkarte),
die Providerrunde löste sich auf. Vom Rechnungshof gab es scharfe Kritik an der Vorgehensweise des Landes OÖ..
Die Position des Breitbandbeauftragten wurde wieder vakant (wann?) und erst im 2. Quartal 2013 wieder besetzt.
Am 23. 1. 2012 gab es eine Breitband-Informationsveranstaltung in der Wirtschaftskammer, in der die
gegenwärtige Breitbandinitiative "Breitbandausbau 2013 (bba2013)" und dann die weitere Vorgehensweise, nämlich
die Erarbeitung
eines Konzepts, das bis 2020 realisiert werden soll (Strategie2020), vorgestellt wurden.
Breitbandausbau 2013:
Bba2013 wurde vom Author schon vorher bezüglich Chancen für das Glasfaserprojekt Tragwein
geprüft. Abgesehen davon, dass die Ausschreibung dann so gestaltet wurde, dass eine
Gemeinde gar nicht teilnehmen und anbieten konnte, musste damals den Beilagen zur
Sonderrichtline bba2013 entnommen werden, dass die Gemeinde
Tragwein, wie die meisten anderen Gemeinden im "Speckgürtel" auch, gar nicht
förderungswürdig war, weil es hier bereits ein Next Generation Access Network
gab. Dies war eine Überraschung, weil von einem NGA nichts zu sehen war und bis heute nichts zu sehen
ist, wenn man von einem kleinen Bereich im Umkreis des Wählamts der TA und (seit kurzem) an der Grenze zur Gemeinde
Pregarten absieht. Letzeres auch dann nur, wenn Breitband großzügig definiert wird.
Um mögliche Kooperationen auszuloten, bemühte sich die Projektgruppe, herauszufinden, wer
hinter diesem NGA steckt. Die Gruppe war zwar nicht erfolgreich, lernte aber, dass
auch reine Absichtserklärungen, ein NGA zu errichten, akzeptiert wurden. Es wurden quasi die
"Claims" abgesteckt. Für die Gemeinde wäre es aber
immer noch interessant, mit dem Hersteller des NGAs Gespräche zu führen, um z. B.
festzustellen, wann mit der Errichtung begonnen wird. Allerdings müssten dazu jetzt
die Namen offengelegt werden, was jetzt nach Ende von bba2013 kein Problem
sein sollte. Aber auch ein Gespräch mit dem Breitbandbeauftragten DI Gaigg brachte diesbezüglich
keine Änderung.
Allerdings muss auch festgehalten werden, dass die Fördermittel (5 MEURO) und
die eingesetzten Mittel der Anbieter bestenfalls für die Errichtung eines NGAs in zwei Gemeinden wie
Tragwein gereicht hätten, insofern hat sich also die Situation für Tragwein noch nicht verschlechtert.
Nebenbei bemerkt, zu den 5 MEURO trug das Land OÖ. 1,28 MEURO bei,
während für die Skischanze im Eferdingerbecken zumindest 2,5 MEURO aufgewendet wurden.
Strategie 2020:
Auch die Vorgänge im Zusammenhang mit der Strategie2020 wurden und werden
verfolgt. Der Author hat seine Vorstellungen von einem FTTx-Netzwerk schriftlich DI Kolmhofer, der mit
der Ausarbeitung betraut wurde,
mitgeteilt. Das Konzept Strategie2020 wurde im Oktober 2012 LR Sigl übergeben und die Quintessenz am
25. 6. 2013 in einer Pressekonferenz vorgestellt. Bezügl. Finanzierung wurde nur erwähnt: "Zurzeit wird intensiv an
mehreren Modellen gerechnet,..".
Seitdem hat man davon nichts mehr gehört, ausser dass in den letzten
Wochen des Jahres 2013 wieder publiziert wurde, dass die Errichtung eines flächendeckenden OÖ.
Glasfasernetzwerks 1,7 Milliarden EURO kostet. Warum wird das Konzept nicht veröffentlicht?
Fürchtet man die Kritik? Geht man von falschen Voraussetzungen aus? Sind nicht die Betriebe, sondern die Konsumenten
die treibende Kraft? Haben die KMUs tatsächlich einen großen Bedarf an Bandbreite? Müsste man nicht die Versorgung
der Konsumenten forcieren, die Versorgung der Unternehmen würde dann quasi automatisch erfolgen?
Es scheint also so zu sein, dass
in dieser Angelegenheit für das Land OÖ. die Gemeinden nicht die
Ansprechpartner sind. Es wäre aber für die Bewohner, vor allem für die
Unternehmen der Gemeinden der Ablauf der Errichtung für ihre eigenen Planung
von Bedeutung. Weiters ist zu befürchten, dass die Angaben über die Ausstattung
von Gemeinden mit einem NGA von der bba2013 übernommen werden.
(http://www.tzs.at/aktuelles/breitband-offensive/foerderbare-massnahmen/ scheint dies
zu bestätigen, denn die dort angebotenen Downloads betreffen bba2013, die ansonsten nicht mehr
aktuell wären). Für
diese Gemeinden wäre dies eine Katastrophe, denn es ist zu bezweiflen, dass die
Telekomfirmen die Errichtung finanzieren können und falls doch, entstehen dort
kaum OANs. Es würde für die Bewohner mehr oder minder wieder nur einen Anbieter
geben. Dieser wichtige Punkt ist zu klären.
Interessant wären auch
Informationen darüber, wie die unter http://www.tzs.at/aktuelles/breitband-offensive
bzw. in der Information zur Pressekonferenz zum Thema Breitband-Offensive für OÖ.
(25. 6. 2013)
angeführten Etappenziele erreicht werden sollen, vor allem auch finanziell.
Besonders wichtig wäre auch, dass nicht nur einschlägige Firmen (Provider) anbieten
können, wie es bei bba2013 der Fall war, sondern auch die Gemeinden selbst,
aber auch Vereine, wie z. B. ein Verein zur Förderung der Infrastrukur, Benützervereine
bzw. Gemeinschaften, wie es sie bei der Errichtung von Telefonnetzwerken im ländlichen
Raum gegeben hat.
Kosten und Budget
"Alle Politiker betonen, wie wichtig ein Glasfasernetz für den Wirtschaftsstandort OÖ ist, wenn man aber
etwas tun will, wird
abgeblockt" formulierte es einmal ein Mitglied der Projektgruppe Tragwein. Die Situation in
Deutschland,
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Breitbandausbau-Keiner-hat-einen-Plan-aber-alle-machen-mit-2162099.html
trifft auch weitgehend auf Österreich zu.
Wie kommt es zu diesem widersprüchlichem Verhalten? Mögliche Gründe sind:
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Die Kostenschätzungen variieren sehr stark (siehe o. a. Artikel). Für OÖ. lauten die Schätzungen
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1,5 - 1,7 Milliarden EURO (siehe Pressekonferenz)
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1,9 Milliarden EURO (Schätzung des Authors bei vollständiger Neuerrichtung über öffentlichen Grund und
Erdverlegung)
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bis zu 2,5 Milliarden (diverse Firmen)
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Die in der Pressekonferenz angeführte Errichtungsdauer beträgt ca. 8 Jahre, das wären also pro Jahr
im Schnitt 200 Millionen EURO, in etwa 4 % des OÖ. Jahresbudgets. Man könnte meinen, das OÖ. dies
aus eigener Kraft schaffen könnte. Es gibt allerdings zwei Probleme:
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Glasfasernetzwerke können nicht nach Bedarf errichtet werden. Auf einer Strecke von der Wurzel des Netzwerks
(A) zum Haus eines Kunden (B) müssen
die Verlegekomponenten, vor allem Rohre, so dimensioniert werden, dass die vor und nach B und im
Einzugsbereich dieser Strecke liegenden Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt ohne neuerliches
Aufgraben der gesamten Strecke versorgt werden können, ansonstens erhöhen sich die Gesamtkosten dramatisch.
Die Kosten sind also in den ersten Jahren hoch und sinken dann.
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Ohne Umschichtungen innerhalb des Budgets wird die Finanzierung des Glasfasernetzwerks nicht möglich sein.
Da es sich um Infrastrukur handelt, liegt der Gedanke nahe, Straßen- und Wohnungsbau anzuzapfen. Bauten
gelten aber bei den Politikern immer noch als Maß für ihre Aktivitäten und Erfolge. Bauten sieht man,
während Glasfaser, selbst wenn sie auf Masten verlegt wird, von der Bevölkerung kaum wahrgenommen wird.
Schon deswegen wird die Bereitschaft zur Umschichtung gering sein, selbst wenn eine eigene Spatenstich- und
Eröffnungskultur für Glasfasernetzwerke entwickelt würde.
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Auf Bundesebene gab es bereits eine Schätzung unter Verkehrsminister Klima für eine flächendeckende
Versorgung Österreichs. Das Ministerium kam auf
10,9 Milliarden EURO. Korrigiert mit dem Verbraucherpreisindex 1996 (135) erhöht sich dieser Wert auf
14,7 Milliarden EURO. Schätzung in Deutschland kommen auf 100 bis 120 Milliarden EURO, es wären also,
wenn die Kosten pro Anschluss in Deutschland und Österreich in etwa gleich sind, 10 bis 12 Milliarden
aufzuwenden.
Die österreichische Breitbandmilliarde, die ja inzwischen eingefroren wurde, nimmt sich im Vergleich zu den Kosten geradezu
lächerlich aus. Selbst wenn es diese Milliarde jährlich gäbe, würde die Versorgung von Österreich
10 - 12 Jahre dauern, wobei noch das o. a. Errichtungsproblem nicht berücksichtigt ist. Geld wäre
aber durchaus vorhanden. So kostet eine geplante Autobahn durch ein Naturschutzgebiet im Osten des
Weinviertels 3 Milliarden EURO. Damit könnte locker eine flächendeckende Versorgung NÖ. finanziert werden.
Es wird noch mehr Posten dieser Art geben.
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Ähnlich ist die Situation auf EU-Ebene. Die Kommission schätzt, "dass bis zu 200 Milliarden Euro
notwendig sind, um die Breitband-Ziele bis 2020 vollständig zu erreichen.". Im EU-Haushalt 2014-2020
waren 50 Milliarden EURO für transnationale Infrastrukturprojekte eingeplant. Davon waren 9,2
Milliarden EURO für die Ausweitung von Breitband- und Digitalnetzwerken vorgesehen. Dieser Betrag
wurde dann um 8,2 Milliarden EURO gekürzt und beträgt daher nur mehr 1 Milliarde EURO.
(Quelle: http://www.euractiv.de/digitale-agenda/artikel/breitbandausbau-kroes-kritisiert-krzungen-im-
eu-budget-007221, vom 14.2.2013, gesehen am 20. 5. 2014)
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Infrastruktur soll nach Meinung des Authors grundsätzlich seinen Benützern bzw. der öffentlichen Hand gehören,
wobei die Rechtsverhältnisse so beschaffen sein müssen, dass ein Verkauf oder ein Verlust auf Grund eines
Konkurses eines involvierten Unternehmens nicht möglich ist. Das ist die Voraussetzung für einen Zugang
zu diesen Netzwerken ohne Blockaden für die Bewerber. Das Telekomgesetz kann zwar festlegen, dass jeder Eigentümer eines
Netzwerks den Mitbewerbern die Benützung seiner Anlagen ermöglichen muss, oft genug genügen jedoch zeitliche
Verzögerungen oder technische Änderungen, um die Konkurrenz zu behindern oder gar auszuschalten. Ein Beispiel
ist das in den letzten Jahren entwickelte VDSL Vectoring, das ein Entbündeln von Leitungen praktisch unmöglich
macht und somit die Konkurrenz fernhält.
Der Staat Österreich ist Aktionär der Telekom Austria und daher wegen der Dividende durchaus daran interessiert,
die wirtschaftliche Situation dieser Firma zu verbessern und die Errichtung der NGAs dieser Firma zu überlassen
und zu fördern. Die im Standard beschriebene Vorgangsweise des BMVIT zur Errichtung der
Breitbandnetzwerke verstärkt diese Befürchtungen
(ttp://derstandard.at/2000001400223/Maulwurfpraemie-fuer-Breitband-wird-untergraben, 20. 5. 2014). Die
vorgesehen Kooperation der Gemeinden mit Telekombetreiber begünstigt eindeutig die Telekom Austria.
In den Bundesländern, z. B. in OÖ., ist das Land (Mit-)Eigentümer von Firmen, die in der
Telekommunikationsbranche tätig sind. Auch hier besteht Interesse daran, direkt oder indirekt Einkünfte
zu erzielen oder Ausgaben einzusparen und die NGAs diesen Firmen zu überlassen. Diese Situation verzögert oder behindert einen
flächendeckenden Ausbau, denn die Firmen investieren dort, wo sie einen raschen "Return on Investment" erwarten
können, der Rest muss wieder gefördert werden. Der Verkauf von solchen Beteiligungen und die Einbringung in einen Fonds
zur Errichtung von NGAs durch die öffentlichen Hand ist durchaus überlegenswert. Dies gilt besonders nach der Übernahme
der industriellen Führung der Telekom Austria durch America Movil.
Es besteht also eine große Kluft zwischen den geschätzten Kosten und den kolportierten Förderungen. Es
ist daher unbedingt notwendig, die Bevölkerung, vor allem die Gemeindeverwaltungen darüber zu
informieren, wie diese Kluft geschlossen werden soll. Fördermittel der Länder und der EU, die ja auch
nur eine Milliarde vorsieht, werden nicht reichen. Es ist zu befürchten, dass sich gegenüber der
bba2013 der Kreis der nicht förderwürdigen Gemeinden nicht ändern wird (siehe Breitbandausbau 2013)
und das BMVIT davon ausgeht, dass die urbanen Gebiete und ihre Speckgürtel für private Investoren
lukrativ genug sind, um dort Glasfasernetzwerke zu errichten. Letzteres trifft aber, wie der Author
im Projekt Tragwein feststellte, nicht zu.
Es ist daher höchste Zeit, mit der Geheimniskrämerei
aufzuhören, das oö. Konzept Strategie2020 zu publizieren und die Bevölkerung
und die Gemeindeverwaltungen darüber zu informieren, wie die Realisierung, vor allem
die Finanzierung dieses ambitionierten Projekts erfolgen soll. Die Gemeinden
benötigen diese Daten für ihre Planung.
(C) Wilfried Maschtera
4284 Tragwein, Fraundorf 2
erstellt am: 15.05.2014
Geändert am:
20.05.2014
22.05.2014